Nicht mehr und nicht weniger.

Comedy ist humoristische Unterhaltung. 
Comedy ist eine Kunstform, durch die man sich künstlerisch mit den Themen des Alltags und der Umwelt auseinandersetzt. Es ist eine Herangehensweise, die Welt zu sehen und zu verarbeiten, was auf ihr geschieht. 
Comedy kann die Absurdität der Realität durch Übertreibung darlegen und so zum Nachdenken anregen, bei der kognitiven Verarbeitung von komplexeren Themen helfen und die Möglichkeit des Perspektivwechsels geben. Es ist ein Handwerk, wie jede andere Kunst auch. So gibt es gut gemachte Witze und auch nicht so gute.

Wenn man sich mit dem Prozess, wie ein Witz entsteht, er aufgebaut ist und verfeinert wird, mal auseinander setzt, wird das auch sehr schnell klar.

Leider neigen viele Menschen dazu, von einem auf das andere zu schließen, zu interpretieren und voreilig Schlüsse und Meinungen zu bilden. 
Das Gesagte eines Comedians lässt sich nicht automatisch auf die tatsächliche Meinung des Künstlers oder Künstlerin münzen. Wenn ein Comedian sich über einen gesellschaftlichen Missstand lustig macht und dafür Satire oder absichtliche Überspitzung nutzt, sind das Stilmittel und Werkzeuge seines Handwerks. 

Sobald man erklärt, wie Comedy als Kunstform funktioniert und ausgeführt wird, kommt man sehr schnell zu dem leidigen, immer wieder auftauchenden Thema “Was darf Comedy?”, “Wo sind die Grenzen?”, “Wann ist etwas lustig und wann nicht?”.
Da hat jeder und jede eine eigene Perspektive und grenzt sich unterschiedlich ab. Und was soll man dazu sagen? Das ist vollkommen in Ordnung. 
Wir haben das Glück in einem Land zu leben, in dem man in einem festgelegten Rahmen alles sagen darf. Und das gilt für alle Menschen in Deutschland. Egal, ob sie auf der Bühne stehen oder nicht. Und das sollte der kleinste gemeinsame Nenner sein, auf den sich alle einigen können. Dieser Rahmen ist das Gesetz und das besagt grob zusammengefasst: jeder Mensch hat das Recht auf Äußerung seiner Meinung und Ansichten, egal in welcher Form, solange er keine Straftat mit dieser begeht. Straftaten sind klar im Strafgesetzbuch niedergeschrieben.

Es ist wirklich selten, dass Comedians gegen eben genau diesen festgelegten Rahmen verstoßen. Aber zu diesem Rahmen kommt noch ein ganz wichtiger und entscheidender: der eigene Rahmen. Die eigenen Grenzen.
Und genau diese beiden Rahmen werden leider so oft vermischt. Denn genauso kommen wir immer wieder in dieselbe Diskussion: Was darf Comedy?

Jede eigene Grenze gilt es zu respektieren, aber genauso die Räume anderer. 

Eine gesunde Einstellung kann hier sein: Leben und leben lassen. Wenn einem etwas nicht gefällt, dann ist das okay. Aber von seinem eigenen Geschmack darauf zu schließen, dass andere keinen haben, ist eine ziemlich arrogante Haltung. Was für den einen geschmacklos ist, ist für den anderen das, was ihn oder sie amüsiert. Und: Das ist vollkommen okay. Es gibt so viel Comedy da draußen – ganz viel Auswahl. Also warum über die ärgern, die einem keine gute Zeit bescheren, weil man ihre Kunst nicht mag, anstelle sich an denen zu erfreuen, die einem das Leben etwas fröhlicher machen?
Man kauft sich auch kein Bild aus einer Galerie, welches man nicht schön findet und hängt es sich in die Bude. Oder man lässt in einer Galerie in der Regel auch nicht ein Bild abhängen, weil es einem nicht gefällt. Bei Comedy-Reels passiert das in den Kommentaren aber ständig. 
Es ist Geschmack. Es ist Kunst. Die ist subjektiv.

Hier ist nicht konstruktive Kritik gemeint, es geht um die rausgerotzten Frustrationen und Meinungen, die oft besser vom Verfasser einfach ignoriert werden sollten, anstatt sie verärgert in die Tastatur zu tippen.
Konstruktive Kritik ist selten verkehrt. Im Falle von Kunst aber selten möglich. Nämlich nur, wenn man selber Ahnung und Erfahrung hat und selbst dann ist es oft sinnvoller, einmal mehr seine Meinung für sich zu behalten, als sie dem Gegenüber mitzuteilen. Denn: wir reden hier über Kunst.

Das Ziel von Comedy ist es, Menschen zum Lachen zu bringen.
Nicht mehr und nicht weniger.

Hilf Comedy Radar besser zu machen!